Was passiert, wenn eine Gruppe von Menschen beschließt, ein ganzes Jahr lang täglich zu meditieren?
Diese Frage steht hinter dem Monastischen Pfad. Seit Anfang 2026 meditieren 27 Schülerinnen und Schüler der Core Group aus Thomas Hübl’s Feld täglich zwei Stunden, verbringen mehrere Monate im Schweigeretreat und erkunden gemeinsam, wie eine vertiefte Praxis aussieht, die nicht aus dem Leben führt, sondern tiefer in es hinein.
Joana Breidenbach — Anthropologin, Sozialunternehmerin und eine der Mitgestalterinnen dieses Weges — beschreibt hier, wie der Monastische Pfad entstanden ist, was er fordert, und warum sie überzeugt ist, dass dieser Schritt genau jetzt nötig ist.
Erste Schritte auf dem Monastischen Pfad
In den Farbräumen, die die deutsche Künstlerin Katharina Grosse gestaltet, finde ich mein Alltagsbewusstsein treffend (und schmerzlich) künstlerisch umgesetzt. Sie bemalt ganze Räume, Böden, Häuser, Landschaften, mit explodierenden Farbflächen. Die Farbe hat ihren Weg aus der Tube gefunden und durchdringt nun den ganzen Raum.
So kommt mir mein Geist oft vor: meine Gedanken und Empfindungen sind wild verteilt, sie flirren hin und her und meine Bewusstheit ist ebenso zerstreut und bekommt diese Bewegungen gar nicht richtig mit. In einigen seiner geführten Meditationen nutzt Thomas gelegentlich das gleiche Bild: er beschreibt einen Farbeimer, der im Zentrum eines Raumes steht. Aber statt, dass die Farbe im Eimer zentriert ist, findet sie sich überall an den Wänden, an der Decke und dem Boden versprengt.
Was braucht es, dass diese zerstreute Farbe wieder an ihren Ursprungsort, in den Eimer, zurückfindet? Denn in ihrer versprengten Form fühle ich mich zwar manchmal lebendig und dynamisch, aber oft auch orientierungslos und reaktiv. Und gerade in unserer aktuellen regressiven und umwälzenden geopolitischen Situation wünsche ich mir eine Verankerung in tieferen Schichten des Lebens und einen klaren Zugang zu meiner inneren Stimme, um im Außen auf neue Weise wirksam zu sein.
Seitdem ich letztes Jahr 60 geworden bin, habe ich viel über meine Prioritäten, und insbesondere die Balance zwischen der vita activa und vita contemplativa, nachgedacht. Ich liebe meine Arbeit und mein aktives Leben. Zugleich weiss ich, dass „mehr von Gleichem“ mich nicht befriedigt und ich mich mehr vertiefen, als zerstreuen möchte. So erschien es nur stimmig, dieses Jahr der intensiveren meditativen Praxis zu widmen und gemeinsam mit 26 anderen Schülern von Thomas Hübl aus der Core Group Europa einen neuen monastischen Zweig zu starten.
Innerhalb dieser Gruppe pilotieren wir seit Anfang des Jahres, gemeinsam mit Thomas, wie eine vertiefte kontemplative Praxis aussehen kann, die zugleich an die Welt angebunden und Trauma-sensitiv ausgerichtet ist. Wir versuchen eine Praxis und ein Umfeld zu schaffen, welches es den Teilnehmenden ermöglicht, ihren Bewusstseinsschwerpunkt immer mehr von außen nach innen zu verlagern. Die innere Stimme so klar zu hören, dass sie die äußeren Wahrnehmungsinformationen in den Hintergrund schiebt und dadurch tiefere Einblicke in die Architektur von Realität und die Wirkweise mystischer Prinzipien möglich werden.
Die Basis des Monastischen Pfads
Unsere Pilotgruppe besteht aus zwei Kreisen. Einem inneren Kern mit neun Mitgliedern und einem zweiten Kreis mit 17 Teilnehmenden. Beide Gruppen haben sich für ein Jahr verpflichtet, fünf Mal pro Woche je zwei Stunden täglich zu meditieren sowie an längeren Schweigeretreats teilzunehmen. Für den inneren Kreis handelt es sich dabei um zwei (mindestens) einmonatige Retreats, für den zweiten um ein zweiwöchiges Retreat — jeweils zusätzlich zur Core Group Schweigewoche. Zudem treffen sich die Gruppen in regelmäßigen Abständen online, alle zwei beziehungsweise sechs Wochen, um sich über Fragen rund um Meditation und mystische Prinzipien auszutauschen.
Thomas formt den Weg, indem er ihn energetisch begleitet und in gemeinsamen Zoom-Treffen mit seinem Teaching unser Verständnis der meditativen Praxis — von Bewegung, Stille und Bewusstheit — vertieft. Zudem gibt es Raum für unsere spezifischen Fragen und Erfahrungen. Um unsere Praxis aufeinander abzustimmen, bauen wir online ein Archiv mit geführten Meditationen, Dharma Talks und Tonings auf. Dieses besteht aus Aufnahmen zurückliegender Core Group Retreats sowie aus neuem Material, das Thomas extra für unsere Gruppe entwickelt.
Dies ist ein super spannendes Unterfangen: Wir bauen emergent und co-kreativ, auf der Basis von Thomas’ Impulsen und unseren Praxiserfahrungen, einen neuen Container, der zukünftig anderen, an einer vertieften Praxis interessierten Schülern dienen und sich organisch weiterentwickeln kann.
Genese: Initiative im Feld
Warum starten wir jetzt und wieso gab es nicht schon früher einen intensiven, auf Thomas’ Teaching abgestimmten Praxisweg? Thomas selbst sagt, dass er nie wollte, dass Menschen seinen eigenen ursprünglichen Erkenntnisweg nachahmen. Vielmehr sollte sich so ein vertiefter Pfad organisch aus dem Feld heraus entwickeln.
Nun gab es immer wieder im Thomas Feld den Wunsch nach einer vertieften Praxis und unterschiedliche Gruppen haben diesen auf ihre Weise umgesetzt. Die Wurzel unserer Gruppe, die jetzt den Kern des monastischen Pfads bildet, reicht mindestens eine Dekade zurück. Ein Vorläufer waren Schweigeretreats, die ich seit 2015 jährlich mit einer kleinen Gruppe von Freunden in unserem Weiler in Südfrankreich — „La Haute“ — organisierte. Kurz danach fing Martin Bruders am gleichen Ort an, eine Folge von Retreats für Schüler aus Thomas’ Feld zu organisieren. Im Laufe der Jahre wuchs so organisch eine größere Gruppe von Meditierenden heran, die 2025 in einem einmonatigen Schweigeretreat kulminierte, über das wir hier berichtet haben. Im Anschluss daran entstand im Austausch mit Thomas dann die Idee, 2026 nicht nur ein weiteres langes Retreat zu organisieren, sondern die Praxis auf ein ganzes Jahr auszudehnen und damit den Grundstein für einen neuen Praxis-Container zu legen.
Schnell war ein Kern von neun Menschen gefunden, von denen manche schon lange in La Haute verankert waren. In dieser Gruppe suchten wir nach weiteren Menschen, die sich dem zweiten Kreis anschließen wollten, da sie sich zu einer vertieften Praxis zwar stark hingezogen fühlten, aber keine zwei Monate aus ihrem Alltagsleben aussteigen konnten.
Um den Jahreswechsel starteten wir mit zwei Initiations-Calls mit Thomas und begannen unsere Praxis. Seitdem sitzen wir täglich zwei Stunden, morgens oft gemeinsam auf Zoom. Ebenfalls im Januar startete eine größere Gruppe ihr erstes längeres Schweigeretreat. Die Kernzeit — Ende Januar bis Mitte März — verbrachten insgesamt 20 Menschen in La Haute. Einer von uns, Thomas Strauß, saß sogar drei Monate, bis Ende März.
Da die wenigsten von uns sich vollkommen aus dem Arbeitsalltag zurückziehen können oder wollen, experimentierten wir nach drei Wochen der Stille damit, etwas Arbeit in den Sitzalltag zu integrieren. Dabei gewannen wir interessante Erkenntnisse bezüglich der Balance zwischen Meditation und Arbeit/Alltag, von denen einige in ihren Retreat-Berichten erzählen.
Wie entsteht ein Weg? Tiefe Zustandserfahrungen und Integration im Alltag
Der bisherige Prozess ist co-kreativ. Thomas setzt Impulse und bereitet energetisch einen Container für diesen Pfad. Wir folgen den Anweisungen und bringen uns mit unseren Erfahrungen, Fragen und Erkenntnissen ein und auf der Basis dieses Resonanzfelds entwickelt sich auch Thomas Teaching weiter. Wir achten auf eine stimmige Balance zwischen festen Strukturen und Prozessen auf der einen Seite und Emergenz und der dafür notwendigen Offenheit, Überraschung und Akzeptanz von Nicht-Wissen auf der anderen.
Die Strukturen, die es braucht, um eine Gruppe zusammenzuhalten und Sicherheit und Orientierung zu geben, sind leicht gesetzt. Die Offenheit stellt für viele von uns dagegen eine Herausforderung dar, denn unsere Psyche, auf jeden Fall mein konditionierter Geist, fragt ständig nach Richtung und Sinn, misst Fortschritt der Erkenntnisse und Bewusstseinszustände. Er will wissen: wieso sitze ich hier? Was bedeuten diese Zustände? Was muss ich machen, damit ich tiefer sinke?
Thomas beschrieb das gleiche in einem seiner Teachings während unseres Frühling-Retreats: Unsere Psyche versucht, eine Karte des spirituellen Weges zu erstellen. Der tatsächliche mystische Weg folgt jedoch nicht der konventionellen mentalen Kartierung.
Meditation kann als (meist) schrittweiser Prozess der Annäherung an das Göttliche durch tiefes Zuhören, verstanden werden, bei dem die Praktizierenden ihre Bereitschaft signalisieren, andere Aktivitäten zurückstellen, um Raum für das Erscheinen des Göttlichen zu schaffen. In der tieferen Stille, strahlt Bewusstsein als allgegenwärtiger Zeuge durch unsere Erfahrungen hindurch. Wir sehen nicht mehr nur den Film, sondern die Leinwand auf der er spielt.
Längere Meditationssitzungen dienen uns dabei als Entgiftung von der auf Trennung basierenden Realitätswahrnehmung und stellen die Vorstellung eines individuellen Selbst, das irgendwohin geht, in Frage. Die Weite in der Meditation offenbart ein tieferes Bewusstsein für das planetarische Energiefeld, in dem Raum geteilt ist, anstatt individuell begrenzt zu sein.
Im Zentrum dieses ersten langen Retreats standen verschiedene Herzmeditationen, die Thomas während der letzten Monate in der Core Group Europa und USA geleitet hat. Thomas beschreibt sie als Tor zum gemeinsamen emotionalen Wohnzimmer der Menschheit. Doch die tieferen Ebenen beinhalten die Transzendenz von Zeit-, Raum- und Rhythmuskoordinaten. Die tiefe Höhle im Herz repräsentiert einen Zustand jenseits der Konzeptualisierung, in dem es kein „dort“ gibt und keinen Weg, „dorthin“ zu gelangen, wodurch normale räumliche Bezugspunkte transzendiert werden. Sein Teaching während es Retreats beschäftigte sich mit dieser Grenze zwischen dem subtilen Raum und magnetischen Tiefenzuständen, in denen herkömmliche Zeit-Raum-Konzepte irrelevant werden.
Zwei Stunden Meditation täglich
Die zweistündige tägliche Meditationspraxis, zu der sich alle Teilnehmenden des monastischen Pfads verpflichtet haben, bildet eine Brücke zwischen den Retreats und unserem Alltag und hält das Gruppenfeld aufgeladen. Die im Retreat gemachten Erfahrungen erleichtern es uns die meditative Verankerung auch im Alltag zu halten. Die Hintergrund-Bewusstheit auch dann aufrecht zu erhalten, wenn wir mit den vielen verschiedenen Triggern des Lebens konfrontiert sind, bei denen wir uns immer wieder zusammenziehen.
Hier kommt das Gruppenfeld ins Spiel. Das gemeinsame Meditieren baut ein Energiefeld auf, das sich mit der Zeit verstärkt und die Einzelpraxis trägt.
Passende Strukturen: Selbstverpflichtung, Austausch in der Gruppe, Audiothek
Unsere Aufgabe als Gruppe ist es zudem eine passende Struktur aufzubauen. Ein für mich essentieller erster Schritt für den Aufbau eines neuen Feldes war meine Selbstverpflichtung. Thomas bat uns ein schriftliches Agreement zu unterzeichnen, in dem wir uns freiwillig für ein Jahr zu der oben beschriebenen Praxis verpflichten. Dieses äußere Agreement ist zugleich ein starkes inneres Commitment, welches für mich einen Schwellencharakter hatte. Indem ich es unterschrieb, nicht wissend, wie ich es in meinem geschäftigen Alltag würde umsetzen können, richtete sich etwas in mir neu aus. Ich legte einen Schalter um und hatte damit meine Prioritätensetzung, z.B. für anstehende Entscheidungen, verändert. Thomas betont ja immer wieder, dass der Weg der vertikalen Erkenntnis auch mit Opfer und Verzicht einhergeht. Ich muss Termine absagen, auf die Teilnahme an bestimmten Projekten verzichten, vielleicht seltener ins Theater oder Konzert gehen, wenn ich täglich zwei Stunden meditieren und dieses Jahr insgesamt 3 Monate im Schweigeretreat verbringen will.
Doch alleine bin ich noch kein Feld und so ist ein wesentlicher Bestandteil des Weges, dass wir uns als Gruppe zusammenfinden, gemeinsam praktizieren und forschen. Momentan kommen wir dafür in unterschiedlichen Konstellationen (ohne Thomas) zusammen und tauschen unsere Erfahrungen zu konkreten Themen aus:
- Was verstehen wir jeweils unter der „Raumhaftigkeit“, die sich in der Meditation einstellt?
- Welche Wege nutzen wir, um mehr mit „Raum“ in Kontakt zu kommen?
- Wie wirken die geführten Herzmeditationen auf uns?
- Wie gehen wir mit individuellen psychologischen Prozessen während des Meditierens um?
- Wie versuchen wir mehr Stille auch in unserem Arbeitsalltag einzuladen? usw.
Neben diesen inhaltlichen Auseinandersetzungen, entwickeln wir auch behutsame und sparsame Strukturen. Über welche Kanäle tauschen wir uns aus? Wie treffen wir Entscheidungen? Wie wollen wir wachsen und neue Interessierte aufnehmen? Wo können wir Thomas, der ja viele Themen und Gruppen unterstützt, realistisch einbeziehen, und wo vertrauen wir unserer eigenen Kompetenz und machen Dinge selbst? In einem weiteren wichtigen Schritt für unsere Synchronisierung startete ein Team um Beatrice eine Sammlung von geführten Meditationen, Dharma Talks und Tonings, die wir allen Teilnehmenden zur Verfügung stellen und kontinuierlich mit neuen Materialien von Thomas ergänzen.
Einreihung in die uralte Tradition mystischer Praxis
Bei der Initiation beschrieb Thomas, dass wir uns in eine Jahrtausende lange Reihe von spiritueller Suche und Forschung einreihen. Im Gegensatz zu anderen monastischen Gründungen basiert unser Weg aber nicht auf einer uralten Tradition wie dem Juden- oder Christentum, dem Taoismus oder Buddhismus. Diese haben jeweils ihre eigene kosmische Adresse und sind mit ihren sehr alten Praktiken aufgeladen. Jede Tradition bildet einen eigenen Rahmen für Weisheiten und Praktiken. Doch wie verschiedene Blumen in einem Blumenstrauss, stehen sie alle im selben Wasser. Obwohl unabhängig, steht unser Feld ebenfalls in starker Resonanz mit vielen dieser Traditionen und trägt zugleich eine spezifische Energie im Kern. Das Besondere an dem spirituellen Strom, dessen Teil wir sind, beschrieb Thomas als einen spezifischen Schwingungszustand der Heilung. Unsere gemeinsame Arbeit entwickelt eine bestimmte Heilungsfrequenz auf der Ebene des Individuums, der Ahnenlinie und des Kollektivs. Und dieser Raum und die entstehende Lichtfrequenz zieht wiederum Menschen an, zu denen genau dies spricht. Der Weg des Erwachens ist also zugleich der Weg der Integration und Heilung. Eine starke Integrationspraxis trifft auf eine ebenso starke Transzendenzpraxis.
Arbeit an der Metakrise. Warum ich und warum jetzt?
In einem Blogpost zu dem diesjährigen Schweigeretreat – Erfahrungen aus sieben Wochen Schweigen – schrieb ich:
„Ich kann mir vorstellen, dass es für einige Menschen befremdlich ist, wenn sozial aktive Menschen sich in Retreats zurückziehen und mit so persönlichen und “unbedeutenden” Fragen wie den hier erörterten beschäftigen. Die Welt brennt — und Du gehst ins Retreat? Ist das nicht verantwortungslos?
Nachdem ich in den letzten Jahren viele Monate in Retreats und Stille verbracht, sowie eine Ausbildung in Collective Trauma Facilitation gemacht habe, lautet meine persönliche Antwort: Nein. Im Leben gibt es für verschiedenste Dinge eine Zeit, für nach außen gerichtete Aktivität ebenso wie für nach Innen gekehrte Stille und Forschung. Ich erlebe Auszeiten als wichtige, ja sogar notwendige Pausen, in denen ich reflektiere, Energie tanke und mit neuen Impulsen in Kontakt komme.“
Jenseits dieser allgemeinen Antwort gibt es eine historisch spezifische. Genau jetzt braucht es Menschen, die den subtilen Unterbau der Realität erforschen um neue Informationen und Impulse zu empfangen und von dort aus wieder gesellschaftlich aktiv werden.
Ich habe mich lange mit den Wurzeln unserer vielen gegenwärtigen Krisen auseinander gesetzt und darüber z.B. hier geschrieben. Dabei bin ich zu dem Schluss gekommen, dass wir es nicht mit verschiedenen, miteinander vernetzten „Polykrisen“ zu tun haben, sondern es Sinn macht von einer zugrunde liegenden Metakrise zu sprechen. Diese Metakrise besteht darin, dass wir Wirklichkeit durch bestimmte, historisch geformte, kognitive und emotionale Apparate filtern und dabei systematisch verzerren.
Sie ist nicht nur „da draußen“ in Institutionen und Systemen, sondern in den Formen, in denen wir Welt wahrnehmen, deuten und bewohnen. In unseren sozialen Dynamiken (z.B. den Unterdrückungssystemen), unseren kollektiven Glaubenssätzen (z.B. der Hyperindividualität) und Paradigmen (beispielsweise „Leistung ist wichtiger als Sein“). Diese durch Trauma verzerrte Wahrnehmung von Realität ist hartnäckig. Sie läßt sich nur langsam und widerwillig aktualisieren und führt uns so immer wieder in „neue“ Krisen, die letztendlich nur unfreiwillig die alten wiederholen.
Thomas spricht davon, das wir gemeinsam mit vielen anderen Traditionen Teil eines Feld des Erwachens sind. Dieses Feld mit der mystischen Flamme ist für die meisten unsichtbar und wird deshalb oft nicht wahrgenommen. Aber es ist sehr kraftvoll und beeinflusst uns viel mehr, als wir denken.
Wenn ich diese Perspektive ernst nehme, dann ist meditative Arbeit kein Rückzug ins Private, sondern der Versuch antwort-fähiger und menschlicher zu werden. Sie ist genau so wichtig, oder in Zeiten großer Transformation sogar wichtiger, als viele sichtbare, äußere Tätigkeiten. Wenn Antworten aus der Vergangenheit nicht mehr adäquat sind, müssen wir uns den Bewusstseinsebenen zuwenden, aus denen Neues in die Welt kommt. Dann geht es darum, den Qualitäten des Seins und der Präsenz neues Gewicht zu geben. Subtile Informationen aufzugreifen und einer höheren, integrierten Wahrheit zu lauschen. Über das Gute, Wahre und Schöne eine Verbindung zu Gott, dem Urgrund des Schöpferischen, aufzubauen. Die Chance auf ein frisches Update erscheint mir in diesen kontemplativen Zwischenräumen viel größer als in einem weiteren Arbeitsturbo.
Zum Schluss noch mal zurück zum monastischen Pfad. Wir werden als Pilot-Gruppe an dem weiteren Ausbau des Pfads arbeiten. Da die Teilnahme am Monastischen Pfad an die Core Group gebunden ist, planen wir zum Jahresbeginn 2027 weitere interessierte TeilnehmerInnen aufzunehmen. Dazu werden wir voraussichtlich im September 2026 einen ersten Info-Zoom Call organisieren und im November den etwas formelleren Prozess der Anmeldung beginnen.
Solltest Du Dich dafür interessieren, schreib uns gerne eine E-Mail an monasticpath@protonmail.com.
Verfasst von Joana Breidenbach
Erfahrungsberichte:
Joana: https://joanabp.medium.com/erfahrungen-aus-7-wochen-schweigen-0ffe2cfc5b0b
Martin: https://www.youtube.com/watch?v=_Kf28tnVbN4
Angela: https://www.linkedin.com/posts/angelazinser_one-month-of-silent-meditation-four-activity-7436515748891729920-DA0s