Viele Menschen erleben ihren Alltag als voll: Termine, Arbeit, Familie, Verpflichtungen. Man funktioniert, kümmert sich, hält vieles zusammen. Und trotzdem gibt es Momente, in denen man merkt, dass man innerlich angespannt ist. Man ist müde, schneller gereizt oder unruhig – ohne genau zu wissen, warum.
Heidi und Markus begleiten seit vielen Jahren Menschen in solchen Prozessen. Beide sind Senior Students von Thomas Hübl und haben seit fast zwei Jahrzehnten in unterschiedlichen Trainings und Projekten eng mit ihm zusammengearbeitet. Heute leiten sie gemeinsam das I-YOU-WE Training, in dem zentrale Grundlagen aus Thomas Hübls Arbeit vermittelt werden.
Im Gespräch erzählen sie, was ihnen in der Begleitung von Menschen wirklich wichtig geworden ist: warum Beziehung eine so zentrale Rolle spielt, wie innere Sicherheit entstehen kann – und was es heißt, Räume zu halten.
Heidi, du hast viele Jahre in der klinischen Psychotherapie und in Gruppen gearbeitet. Was hat dich diese Arbeit über Beziehung gelehrt, das dich bis heute prägt?
Die Arbeit im klinischen Setting war für mich sehr lehrreich. Ich habe dort viele unterschiedliche Menschen begleitet und gesehen, wie stark unser heutiges Erleben mit dem zusammenhängt, was wir früher erlebt haben.
Schmerz entsteht oft dort, wo ein Kind in Beziehung nicht ausreichend Halt erfahren hat – wo es sich nicht gesehen, nicht verstanden oder nicht sicher gefühlt hat. Beziehung ist deshalb für mich ein zentraler Faktor für Heilung. Das gilt sowohl für frühe, länger anhaltende Belastungen als auch für einzelne, überwältigende Erfahrungen. Dies gilt für Entwicklungstrauma ebenso wie für jede Form von Schocktrauma.
Markus, dein Zugang kommt stark über den Körper und die Arbeit mit dem Nervensystem.Was hast du durch diesen Weg über innere Stabilität und Sicherheit gelernt?
Viele von uns versuchen, Sicherheit über Willenskraft zu erzeugen: durch Durchhalten, Kontrollieren, inneres Festhalten. Das kann kurzfristig helfen – aber im Inneren bleibt oft trotzdem Anspannung.
Für mich entsteht Sicherheit anders: wenn ich mich selbst wieder spüre. Wenn ich merke: Wie geht es mir gerade? Wo ist es eng? Was brauche ich? Das ist Selbstkontakt – eine Art innere Präsenz. Wenn ich diesen Kontakt habe, kann mein Nervensystem eher regulieren. Und erst dann wird auch Beziehung leichter – weil ich nicht nur reagiere, sondern wirklich da bin.
Ihr arbeitet seit vielen Jahren mit Thomas Hübl und im Feld der Inner Science. Wie hat diese gemeinsame Arbeit eure eigene Haltung als Begleiter:innen verändert?
Markus: Was ich immer wieder von Thomas lerne, ist seine Fähigkeit, offen zu bleiben – auch wenn es schwierig wird. Er geht nicht in Abwehr oder in „entweder-oder“-Denken, sondern bleibt zugewandt und neugierig. Und er hat eine sehr klare Ausrichtung darauf, in jedem Moment so wahrhaftig wie möglich zu sein.
Heidi: Bei mir hat das vor allem Demut und Dankbarkeit vertieft. Ich erlebe es als großes Privileg, Menschen in sehr verletzlichen Momenten begleiten zu dürfen. Und ich merke immer mehr: Ich muss nicht alles wissen. Wichtig ist, offen zu bleiben und wirklich zuzuhören – besonders auch, wenn Menschen andere Hintergründe, Lebenswege und Prägungen mitbringen.
Wenn ihr auf euren Weg zurückblickt: Gab es einen Moment, in dem euch klar wurde, dass es euch nicht nur um Begleitung, sondern um das Halten von Räumen für tiefere Prozesse geht?
Heidi: Ich denke, ich würde es etwas anders beschreiben. Mir wurde klar, dass Therapie bzw. therapeutische Begleitung stark daran orientiert ist, was für die Klient:innen „anders“ werden sollte, um lebendiger und freudiger im Leben zu sein – als ein Aspekt.
Durch die Arbeit mit Thomas hat sich mein Verständnis von Heilung vertieft. Es geht nicht nur darum, etwas zu verändern, sondern darum, als Gegenüber einen größeren Raum zu halten, in dem sich wirklich zeigen darf, was in einem Menschen wirkt.
Oft wird dabei sichtbar, welche Schutz- und Überlebensstrategien sich im Laufe des Lebens gebildet haben – und wie sie verhindern, dass wir unsere Lebendigkeit ganz spüren.
Wenn diese jüngeren, verletzlichen Anteile in einer sicheren Beziehung gesehen, gefühlt und bestätigt werden, kann Heilung geschehen.
Markus: Ich habe früh verstanden, dass Körper, Gefühle und Denken zusammengehören. Und dass wir als Menschen immer in größere Zusammenhänge eingebettet sind – Familie, Arbeit, Kultur.
Für mich war es wichtig zu erkennen, dass es nicht darum geht, Menschen an belastende oder ungesunde Umfelder anzupassen, sondern ihnen zu helfen, wieder mehr bei sich selbst anzukommen und ihre eigene Lebendigkeit zu spüren.
Was bedeutet es für euch persönlich, Verantwortung für Gruppenräume zu übernehmen?
Heidi: In Gruppen passiert vieles gleichzeitig. Für mich heißt das: noch offener zu werden für die Dynamik im Raum – und trotz meiner Erfahrung nicht „wissen zu wollen“, was als Nächstes kommen muss. Ich versuche, mich führen zu lassen von dem, was sich gerade zeigt.
Markus: In Gruppen braucht es viel Feingefühl. Wir müssen immer wieder schauen: Wie viel kann die Gruppe gerade aufnehmen? Wo braucht es Verdauungsraum oder Pausen? Und wie sind die einzelnen Menschen miteinander in Kontakt?
Wenn wir das übergehen, zerfällt die Gruppe schnell. Dann ist jede:r nur noch mit sich beschäftigt und versucht, irgendwie sicher zu bleiben – statt dass wirklich ein gemeinsamer Raum entsteht.
Einladung zum I-YOU-WE Training
Das I-YOU-WE Training richtet sich an Menschen, die an innerer Entwicklung interessiert sind und diese bewusst in Beziehung und im Austausch mit anderen vertiefen möchten.
Aufbauend auf den Lehren von Thomas Hübl werden zentrale Themen wie Selbstkontakt, emotionale Wahrnehmung, Beziehungsfähigkeit und Meditation in einem intensiven, mehrmonatigen Prozess erforscht. Heidi und Markus bringen in dieses Training ihre langjährige Erfahrung aus therapeutischer, körperorientierter und gruppenbezogener Arbeit ein.
Am 11. Februar 2026 um 19 Uhr findet ein kostenloser Infocall statt. Dort besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und das gesamte Team sowie Heidi und Markus persönlich kennenzulernen.
Weitere Informationen zur Teilnahme findest du hier.