{"id":2306,"date":"2021-05-04T16:05:40","date_gmt":"2021-05-04T23:05:40","guid":{"rendered":"https:\/\/thomashuebl.com\/?p=2306"},"modified":"2023-09-21T06:32:31","modified_gmt":"2023-09-21T13:32:31","slug":"anatomie-des-nicht-handelns-komplexitaet-klimawandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/thomashuebl.com\/de\/anatomie-des-nicht-handelns-komplexitaet-klimawandel\/","title":{"rendered":"Die anatomie des Nicht-Handelns \u2013 die komplexit\u00e4t des klimawandels"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dieser Artikel ist im \u201eClimate Complexity Change\u201c, unpsychology magazine, Issue 7, Spring 2021, ver\u00f6ffentlicht worden.<br \/>\n<\/strong>Titelbild: \u201eAftermath\u201c by Mary Thorp<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_7059\" class=\"wp-caption alignleft\">\n<p><a href=\"https:\/\/mailchi.mp\/23ab4e606506\/2mj4ppwb5h\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7059 size-medium\" src=\"https:\/\/thomashuebl.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Unpsychology-7-cover-web-229x300.jpg\" alt=\"unpsycholohy-7-cover\" width=\"229\" height=\"300\" aria-describedby=\"caption-attachment-7059\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-7059\" class=\"wp-caption-text\">Zum Download des ganzen Magazins geht\u2019s per Klick auf das Bild<\/p>\n<\/div>\n<p>Wir stehen an einem Scheideweg. F\u00fchrenden Klimaexperten, Wissenschaftler und Angeh\u00f6rige einschl\u00e4giger Institutionen werten fast t\u00e4glich die Daten \u00fcber die Entwicklung unseres Klimas aus. Steigender Kohlenstoffgehalt in der Atmosph\u00e4re, in nie gekanntem Ausma\u00df. Verlust der Artenvielfalt. Extreme Wetterereignisse. Unerf\u00fcllte Vertr\u00e4ge. Wir k\u00f6nnten unsere sozio\u00f6konomischen Strukturen und politischen Differenzen f\u00fcr unser Versagen verantwortlich machen, sinnvolle Ver\u00e4nderungen zu bewirken. Doch hinter unseren Argumenten und unserer L\u00e4hmung verbirgt sich eine unbewusste Landschaft, die um einen zentralen Dreh- und Angelpunkt aufgebaut ist: das Trauma.<\/p>\n<p>Trauma ist die Ursache unserer Unt\u00e4tigkeit. Um dies zu verstehen, m\u00fcssen wir zun\u00e4chst untersuchen, wie sich Unausgewogenheit auf lebende Systeme auswirkt \u2013 in unserem K\u00f6rper und auf der Erde selbst.<\/p>\n<h3>Essentielle R\u00fcckkopplungsschleifen<\/h3>\n<p>Um die Stabilit\u00e4t zu erhalten, erzeugt jedes lebende System R\u00fcckkopplungsschleifen. Dieser Informationsfluss erm\u00f6glicht es einem System, sich anzupassen und zu ver\u00e4ndern. So kann es sich selbst steuern und sich bewegen, in Bezug auf das gr\u00f6\u00dfere System, in das es eingebettet ist. In einem lebenden System erleichtern R\u00fcckkopplungsschleifen einen selbstregulierenden Prozess, der seine Funktion anpasst und es ins Gleichgewicht bringt, wenn dieses bedroht ist.<\/p>\n<p>Ein Informationsfluss ist der Schl\u00fcssel zur Feedback-Schleife. Ohne Informationen gibt es keine R\u00fcckkopplung. Unser K\u00f6rper ben\u00f6tigt ein gut entwickeltes Feedback-System, um mit den aktuellen Bed\u00fcrfnissen des Lebens in Verbindung und im Einklang zu bleiben, sowohl im Inneren als auch im \u00c4u\u00dferen.<\/p>\n<p>Damit unsere Wahrnehmungsf\u00e4higkeiten gut funktioniert, ist jeder von uns auf einen kontinuierlichen Datenfluss angewiesen. Daten str\u00f6men st\u00e4ndig ein in unser Nervensystem, und von dort aus in andere regulatorische Prozesse wie unser endokrines System und in das Verdauungssystem. Gerade jetzt flie\u00dfen riesige Datenmengen auch in deiner Wirbels\u00e4ule rauf und runter.<\/p>\n<h3>Die Architektur des Traumas<\/h3>\n<p>Seit fast zwanzig Jahren hat sich durch meine Arbeit mit kollektiven Traumata ein Verst\u00e4ndnis davon entwickelt, wie Menschen die Welt wahrnehmen und was ihr Verhalten motiviert. Ich habe Dialogprozesse mit Gruppen von Menschen auf der ganzen Welt moderiert, um die Wunden zu heilen, die durch generationen\u00fcbergreifende und historische Traumen entstanden sind.<\/p>\n<p>Im Laufe der Jahre habe ich Hunderttausenden von Menschen zugeh\u00f6rt und wurde Zeuge dessen, was auch wissenschaftliche Forschung entdeckt hat: die schwerwiegendste St\u00f6rung im Informationsfluss innerhalb des menschlichen psycho-physischen Systems ist Trauma.<\/p>\n<p>Ein Trauma wirkt per Definition wie ein Katalysator f\u00fcr das Ausl\u00f6sen einer Reihe von Prozessen, die im Nervensystem Verw\u00fcstung anrichten, wenn es sich in einem Zustand der Hyperregulation befindet. Erlebt ein Mensch eine \u00fcberw\u00e4ltigende Situation, \u00fcberflutet enormer Stress den K\u00f6rper und das Nervensystem. Diese \u00dcberlastung kann wiederum zu Abkopplung, Dissoziation und Nicht-f\u00fchlen f\u00fchren. Um zu \u00fcberleben, spaltet das System des Menschen buchst\u00e4blich die physische, emotionale und mentale Erfahrung dieses Traumas ab.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen dieser intelligente Funktion der Traumareaktion Respekt zollen, die das Leben im Laufe der Jahrtausende entwickelt hat. Genau dieser Prozess hat Generationen von Menschen geholfen, ungeheure Gr\u00e4ueltaten, Kriege, Naturkatastrophen, Hungersn\u00f6te und viele andere \u00fcberw\u00e4ltigende Situationen zu \u00fcberleben.<\/p>\n<h3>Unintegrierte Vergangenheit<\/h3>\n<p>Da diese Teile weiterhin vom Ganzen abgespalten werden, bleiben sie unintegriert. Dies f\u00fchrt dazu, dass wir uns davon abgekoppelt sind, vollst\u00e4ndig in der Gegenwart zu sein. Wir leben weiter in der Vergangenheit, als ob der traumatische Moment nie beendet worden w\u00e4re. Wenn diese innere Fragmentierung \u2013 der hyperaktivierte, hoch gestresste Teil von uns \u2013 nicht re-integriert wird, werden viele Symptome und Nebenwirkungen auftreten. Wenn ein erneut Trauma ausgel\u00f6st wird, reagieren wir entweder \u00fcber oder werden gleichg\u00fcltig.<\/p>\n<p>Dieser evolution\u00e4re Anpassungsprozess kann uns zu Beginn das Leben retten, aber auf lange Sicht zahlen wir einen Preis daf\u00fcr. Wenn wir diesen fragmentierten Teil nicht integrieren, erzuegt das Nebenwirkungen oder Symptome, die wir als Leiden bezeichnen. Diese Symptome lenken unsere Aufmerksamkeit immer wieder auf diese ungel\u00f6ste Vergangenheit zur\u00fcck. Mit anderen Worten: Wir haben einen Kredit bei unserer Zukunft aufgenommen, den wir letztendlich zur\u00fcckzahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wenn wir ein bewusstes und bezogenes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese R\u00fcckkopplungsschleifen verlieren, die das Netz des Lebens bilden, geht uns etwas Wesentliches abhanden. Wir k\u00f6nnen nur eine bestimmte Menge an Leben von unserer Zukunft leihen. Wenn wir das nicht rechtzeitig zur\u00fcckgeben, erschaffen wir einen Schuldenberg, der \u00fcber uns zusammenbrechen wird.<\/p>\n<p>Das ist, glaube ich, die Situation, in der wir uns im Moment befinden. Wir als Menschheit nehmen weiterhin Anleihen von unserer eigenen Zukunft, und das Leben wird dadurch unhaltbar. Wir verbrauchen die Systeme der Erde, weil wir das Gef\u00fchl daf\u00fcr verloren haben, wie sich der Planet anf\u00fchlt. Wir f\u00fchlen ihn buchst\u00e4blich nicht mehr. Und wir haben Technologien und Lebensstile entwickelt, die diese Abw\u00e4rtsspirale noch verst\u00e4rken.<\/p>\n<h3>Treibstoff f\u00fcr Trauma<\/h3>\n<p>Viele von uns betreiben ihr Leben mit \u201eTrauma-Treibstoff\u201c, was sich in einem Hyperstress \u00e4u\u00dfert, der unser Handeln antreibt. Dieses Ph\u00e4nomen ist so trickreich, dass wir oft nicht in der Lage sind, es zu erkennen; es ist zur neuen Normalit\u00e4t geworden. Wenn wir uns nicht mehr bewusst sind, dass wir unter chronischem Stress leben, akzeptieren wir diesen Zustand als unsere neue Grundeinstellung. Die Regulationsprozesse, die wir f\u00fcr die Integration unserer gemachten Erfahrungen und f\u00fcr die Regeneration ben\u00f6tigen, k\u00f6nnen unseren Stress nicht mehr bew\u00e4ltigen. Dies f\u00fchrt zu einem vorzeitigen Verschlei\u00df des K\u00f6rpers, der als allostatische Last bezeichnet wird. Dieser Prozess findet in unserem K\u00f6rper statt, da wir einen Lebensstil f\u00fchren, der sich negativ auf unsere nat\u00fcrliche Umgebung auswirkt.<\/p>\n<p>Es fehlt ein wesentlicher Punkt in der Diskussion um das Klima, vielleicht weil er so grundlegend einfach ist: der menschliche K\u00f6rper ist ebenfalls Teil der nat\u00fcrlichen Umwelt. Die Umwelt, die unser K\u00f6rper ist, ist nicht \u201eda drau\u00dfen\u201c, als ein Objekt; sie ist das Zentrum unserer Verankerung innerhalb unserer eigenen Existenz. Wenn Milliarden von Menschen den \u201eTrauma-Treibstoff\u201c ihres K\u00f6rpers schneller verbrennen, als sie ihn wieder auff\u00fcllen k\u00f6nnen, verbrauchen wir unsere eigene Umwelt. Wir brauchen unseren Planeten auf.<\/p>\n<blockquote><p>Da wir weiterhin Anleihen bei der Zulunft nehmen, ist das Leben unnachhaltig geworden. Wir ersch\u00f6pfen die Systeme der Erde, weil wir das Gef\u00fchl daf\u00fcr verloren haben, wie sich der Planet anf\u00fchlt. Wir f\u00fchlen ihn buchst\u00e4blich nicht mehr.<\/p><\/blockquote>\n<h3>Das Feld des Getrennt-Seins<\/h3>\n<p>Wenn ein Trauma in der Entwicklung eines Menschen auftritt, wird der normalerweise gesunde Prozess der Individuation mit einem Gef\u00fchl der Trennung durchsetzt. Dieses fr\u00fche Gef\u00fchl der Trennung r\u00fchrt von der Entfremdung von Teilen unseres Selbst her, und von den damit verbundenen Emotionen, die wir nicht f\u00fchlen wollen und k\u00f6nnen. Dies f\u00fchrt zu einem Verlust der Verbindung mit uns selbst und mit unserer Umwelt. Wenn ich keinen Zugang zu Teilen von mir selbst habe, werde ich auch nicht alles f\u00fchlen, was im Radius des Lebens existiert.<\/p>\n<p>Wenn ich mich entfremdet oder k\u00f6rperlos f\u00fchle, nehme ich mich wahr als jemand, der sich auf dem Planeten befindet, aber nicht der Planet selbst ist. Mein K\u00f6rper spiegelt die Zusammensetzung der Erde wider: Sauerstoff, Mineralien und Metalle, aber auch Kohlenstoff. Dieses Gef\u00fchl der Trennung hat zu einem \u201eHelikopter-Verstand\u201c gef\u00fchrt, der \u00fcber der Natur schwebt und sie ausbeutet, w\u00e4hrend wir durch den Filter des Schmerzes schauen, den wir in der Vergangenheit erlebt haben. Es gibt viele M\u00f6glichkeiten, wie der Verstand dem Leben schaden kann, wenn wir uns getrennt f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Wenn wir untersuchen, woraus sich Wohlbefinden zusammensetzt, stellen wir fest, dass der Schl\u00fcssel dazu das Erreichen von Koh\u00e4renz zwischen drei Aspekten von uns selbst ist: und zwar die Koh\u00e4renz zwischen K\u00f6rper, Emotionen und Geist. Als Teil des Planeten ist der Mensch der lebendige Ausdruck des evolution\u00e4ren Tanzes von Milliarden von Jahren. Daraus ist das Leben geformt, das wir heute leben. Dieses Leben ist die Intelligenz des Planeten. Es ist ein Trugschluss, sich einen Planeten vorzustellen, der Menschen in sich birgt, als ob der Planet ein Objekt au\u00dferhalb unseres Bewusstseins w\u00e4re.<\/p>\n<p>Dieser Dualismus zwischen Menschen und dem Planeten ist meiner Meinung nach die Ursache f\u00fcr einige unserer Naturkatastrophen auf der ganzen Welt. Das sechste Massenaussterben ist zum Teil durch die kollektive Trauma-Geschichte der Menschheit entstanden. Tausende von Jahren massiver Traumatisierung, die an nachfolgende Generationen weitergegeben werden, sind zu sich wiederholenden Mustern geworden. Wenn diese Muster neue Traumata hervorbringen, geht die Skala \u00fcber das Pers\u00f6nliche hinaus und vervielf\u00e4ltigt sich in zahlreichen weiteren Ph\u00e4nomenen.<\/p>\n<h3>Kollektives Trauma<\/h3>\n<p>Kollektive Traumata begleiten die Menschheit schon seit Hunderttausenden von Jahren. Massive Wunden, die Teil unserer kollektiven Psyche bleiben, wie der Holocaust, Sklaverei, Rassismus, Kolonialismus, Diktaturen und andere Ereignisse, haben sich in Narben verwandelt, die das Gewebe des Lebens bilden und zu schlafenden, \u201ekalten\u201c kollektiven Traumata der Menschheit werden. Nach diesen Grausamkeiten in gro\u00dfem Ausma\u00df und den damit verbundenen Trag\u00f6dien werden weiterhin Generationen in dieses Narbengewebe hineingeboren. Dies erzeugt Symptome, die manchmal offenkundig, manchmal subtil sind. Viele dieser Symptome und Manifestationen des kollektiven Traumas werden unter dem Deckmantel des \u201eso ist das Leben\u201c versteckt.<\/p>\n<p>Ein Trauma ist eine Wunde, die sich weiter auswirkt, wenn sie nicht behandelt wird. Wenn wir uns nicht um die kalten, historischen kollektiven Trauma-Wunden k\u00fcmmern, werden wir massive Nebenwirkungen erleben. Die aktuelle Welt zeigt uns sehr stark, wie sich die Symptome h\u00e4ufen.<\/p>\n<p>Diese kalten kollektiven Traumata eitern zu neuen \u201ehei\u00dfen\u201c Traumen, wenn sie unbehandelt bleiben. Sie manifestieren sich als Kriege, Naturkatastrophen, ethnische S\u00e4uberungen und andere seismische Ereignisse auf der Weltb\u00fchne. Dies f\u00fchrt zu noch mehr Schichten von kollektiven Traumata, wenn wir nicht so schnell wie m\u00f6glich Wege finden, diese Anh\u00e4ufung zu integrieren. Wenn wir uns nicht darum k\u00fcmmern, werden Klimakatastrophen und massive Umweltver\u00e4nderungen zu immer h\u00e4ufigeren katastrophalen Ereignissen f\u00fchren und Millionen von Menschen zu Klimafl\u00fcchtlingen machen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen die kalten kollektiven Traumata unserer Vergangenheit konfrontieren und integrieren, um eine wirksame Antwort zu erzeugen.<\/p>\n<p>Unsere Hyperreaktivit\u00e4t, begrenzte Beziehungsf\u00e4higkeit, Gef\u00fchllosigkeit und Gleichg\u00fcltigkeit schaffen einen fruchtbaren Boden f\u00fcr neue Konflikte, Polarisierung und Fragmentierung. Dies ist bereits in der Vergangenheit geschehen und wir sehen, dass sich dies heute wiederholt. Auf kollektiver Ebene ist das Trauma der Sand im Getriebe, der unsere globalen Gemeinschaften daran hindert, Ver\u00e4nderungsprozesse einzuleiten, die wir dringend brauchen. Die Mauern, auf die wir sto\u00dfen, sind nicht politischer, wirtschaftlicher oder sozialer Natur; es sind die unsichtbaren Schichten des Lebens, die die unintegrierte Vergangenheit festhalten.<\/p>\n<p>Die Symptome eines Traumas sind nicht leicht zu erkennen. Sie k\u00f6nnen sich in dem Mangel an Antrieb oder in Gleichg\u00fcltigkeit \u00e4u\u00dfern, oder im anderen Extrem: in Hyperaktivit\u00e4t. Diese Symptome zeigen sich auch im Klimagespr\u00e4ch. Anstatt in diese Muster zu verfallen, k\u00f6nnen wir beginnen, sie als Manifestationen der Erstarrung der Vergangenheit zu erkennen. Die Angst vor Ver\u00e4nderung ist in Wirklichkeit die Angst davor, dass in unserer Psyche, in unserem K\u00f6rper, in unseren Emotionen und in unseren Beziehungen massiver Schmerz entsteht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mailchi.mp\/23ab4e606506\/2mj4ppwb5h\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7065 size-medium_large\" src=\"https:\/\/thomashuebl.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Unpsychology-7-TH-Article-last-page-web-768x475.jpg\" alt=\"unpsychology-article-page\" width=\"768\" height=\"475\" \/><\/a><\/p>\n<h3>Eine Heilungsreaktion initiieren<\/h3>\n<p>Um uns in Richtung L\u00f6sung und Wiederherstellung zu bewegen, brauchen wir qualifizierte\u00a0<strong>Teams von Traumaexperten<\/strong>. Das mag kontrainduziert klingen, denn alle Zeichen sagen uns, dass wir\u00a0<strong>nicht genug Zeit<\/strong>\u00a0f\u00fcr solche Aktivit\u00e4ten haben. Die weitverbreitete \u00dcberzeugung ist, dass wir uns beeilen m\u00fcssen. Wir bef\u00e4nden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit. Aber Trauma braucht Raum und Zeit und die richtige Herangehensweise, um das eingefrorene Potenzial in Kreativit\u00e4t und erneuerte Lebensenergie umzuwandeln.<\/p>\n<p>Bei der genaueren Untersuchung unserer umweltbedingten Herausforderungen sind wir aufgerufen, zu erkennen, ob nur Gewohnheiten ge\u00e4ndert werden m\u00fcssen, oder ob tiefere Schichten von Trauma im Spiel sind. Je nachdem, mit welchem Hindernis wir konfrontiert sind, werden die Intervention und der Ansatz sehr unterschiedlich sein m\u00fcssen. Um sozialen Wandel zu bewirken, brauchen wir diese Ebene der Unterscheidung. Um Gewohnheiten zu \u00e4ndern, brauchen wir Energie, die eine Reaktion ausl\u00f6st, sowie Bildungsinitiativen. Wenn wir jedoch auf ein Trauma sto\u00dfen, brauchen wir eine sichere und heilende Umgebung.<\/p>\n<p>Da Trauma und Klima von Natur aus miteinander verwoben sind, muss die Bildung und die Wissensvermittlung zur Klimafrage traumainformiert sein. Je mehr Informationsfluss wir generieren k\u00f6nnen, desto gr\u00f6\u00dfer wird unsere Anpassungsf\u00e4higkeit sein. \u201e<strong>Rapid Prototyping<\/strong>\u201c (1), das oft im Rahmen innovativer Prozesse durchgef\u00fchrt wird, ist nur m\u00f6glich, wenn systemische Feedbackschleifen eingebaut werden. Um unsere Klimakrise zu l\u00f6sen, m\u00fcssen wir die integrale Rolle des \u201einneren Klimas\u201c unserer K\u00f6rper und Nervensysteme untersuchen und ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Wenn wir Menschen, als Teil des nat\u00fcrlichen Systems, aus unserer Biosph\u00e4re ein \u00d6dland machen, dann sagt das viel \u00fcber unsere innere Welt aus. Die Landschaft unseres inneren kollektiven Traumas wird externalisiert; das ist es, was wir aus unserer Welt weiterhin machen.<\/p>\n<p>Als Menschheit stehen wir am Scheideweg: Entweder l\u00f6sen wir unsere aktuellen Krisen, einschlie\u00dflich der Klimafrage, durch Innovation, oder wir wiederholen die Vergangenheit. Damit wir die F\u00fclle an innovativen Ideen und Ressourcen, die zur L\u00f6sung unserer dringenden Klima-Herausforderungen zur Verf\u00fcgung stehen, auch tats\u00e4chlich nutzen k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir uns zuerst f\u00fcr die Erhaltung der Lebewesen einsetzen, die uns am n\u00e4chsten sind: uns selbst.<\/p>\n<p><strong>Thomas H\u00fcbl (editiert von Lori Shridhare)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel ist erschienen in \u201eClimate Complexity Change\u201c, Unpsychology Magazine, Ausgabe 7, Fr\u00fchjahr 2021. Die Ausgabe hat 146 Seiten und enth\u00e4lt viele hervorragende Artikel zum Klimawandel, und auch k\u00fcnstlerische Arbeiten!<\/strong><\/p>\n<h3><a href=\"https:\/\/mailchi.mp\/23ab4e606506\/2mj4ppwb5h\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier kann man sich das komplette Magazin kostenfrei herunterladen!<\/a><\/h3>\n<p>(1) Ein Verfahren, bei dem es um die m\u00f6glichst schnelle Herstellung eines Prototyps geht, Begriff aus der industriellen Fertigung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist im \u201eClimate Complexity Change\u201c, unpsychology magazine, Issue 7, Spring 2021, ver\u00f6ffentlicht worden. Titelbild: \u201eAftermath\u201c by Mary Thorp Zum Download des ganzen Magazins geht\u2019s per Klick auf das Bild Wir stehen an einem Scheideweg. F\u00fchrenden Klimaexperten, Wissenschaftler und Angeh\u00f6rige einschl\u00e4giger Institutionen werten fast t\u00e4glich die Daten \u00fcber die Entwicklung unseres Klimas aus. 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