blog-ury-book-german

Artikel & Videos

Vorwort von William Ury zu „Kollektives Trauma Heilen“

Vorwort von William Ury zu: „Kollektives Trauma Heilen, Persönliche und globale Krisen verstehen und als Chance nutzen“ – das neue Buch von Thomas Hübl

„Mit großer Freude lege ich Ihnen dieses erkenntnisreiche, kluge und wirklich wichtige Buch zur Heilung kollektiver Traumata ans Herz, das mein Freund und Kollege Thomas Hübl geschrieben hat.

Die letzten vierzig Jahre konnte ich als neutraler Verhandlungsberater bei Kriegen und Konflikten überall auf der Welt – zuletzt im kolumbianischen Bürgerkrieg, beim koreanischen Kernwaffenstreit und in der Konfliktzone des Nahen Ostens – immer wieder verfolgen, wie tief die Auswirkungen kollektiver Traumata reichen. Ich habe erlebt, wie schwierig und frustrierend es sein kann, das Blutvergießen zu beenden, wie viele Unwägbarkeiten dabei zu berücksichtigen sind.

Eine große Frage stellte sich mir dabei immer wieder: Was ist am Frieden so schwierig, wenn er doch eigentlich für alle von so großem Nutzen ist, zumal wenn man bedenkt, welche gewaltigen Verluste der Krieg für alle direkt Beteiligten und ihre Bevölkerung zwangsläufig mit sich bringt?

Es gibt viele Gründe, aber einer der wichtigsten besteht in tieferliegenden kollektiven Traumata, die nicht angesprochen werden. Im Koreakrieg sind Millionen Menschen gestorben, und Millionen andere wurden vertrieben. Im kolumbianischen Bürgerkrieg sind über zweihunderttausend Menschen umgekommen und über sieben Millionen verloren ihre Heimat. Auch wenn dann wieder so etwas wie Normalität einkehrt, bleiben Narben zurück.

Nicht verheilte Wunden bilden offenbar eine Art Antrieb zur Wiederholung des gleichen Konfliktmusters. Waffenstillstände und Friedensvereinbarungen sind oft schwer durchzuhalten.

Eine geradezu historische Neuerung beim kolumbianischen Friedensprozess bestand darin, dass man Angehörige der Zivilbevölkerung, also die eigentlichen Leidtragenden, an den Verhandlungen beteiligte. Zahlreiche Delegationen von Kriegsopfern wurden nach Havanna eingeladen, um gegenüber den Unterhändlern beider Seiten Aussagen über ihre Erlebnisse zu machen, die auch von den Medien und von der kolumbianischen Gesellschaft aufgenommen wurden.

Bei der Auswahl dieser Personen durch die UN sowie durch nationale Universitäten wurde darauf geachtet, dass sie alle Konfliktparteien repräsentierten. Es waren viele, vielleicht sogar mehrheitlich Frauen. Zur Überraschung vieler Beobachter, die ein Aufbrechen alter Wunden und die Behinderung des Friedensprozesses aufgrund dieses Experiments befürchteten, forderten die allermeisten Opfer keine Strafen, sondern sprachen sich für die Beendigung des grausamen Konflikts aus und zeigten sich offen, ihren Feinden zu vergeben und sich mit ihnen auszusöhnen.

So bekamen die Opfer des Kriegs eine Stimme und fanden Gehör und öffentliche Aufmerksamkeit für das Trauma, das hier vorlag. Dadurch besannen sich die Unterhändler auf das, worum es ging, und die kolumbianische Gesellschaft bekam die Gelegenheit, dem langwierigen Prozess der Heilung alter Wunden endlich seinen Lauf zu lassen.

Wenn Frieden in der Welt und das Wohlergehen aller Wirklichkeit werden sollen, müssen wir gut über kollektives Trauma und die Möglichkeiten der Heilung Bescheid wissen. Genau das macht dieses bahnbrechende Buch von Thomas Hübl so wertvoll. Es lässt uns die Dimension der für alle Missstände dieser Welt verantwortlichen kollektiven Traumatisierung erfassen und führt uns die Möglichkeiten der individuellen und gemeinschaftlichen Heilung vor Augen.

Buch deutschDas komplexe und entsprechend schwer durchschaubare Thema des kollektiven Traumas profitiert von der breit gefächerten Herangehensweise des Autors. Sie werden hier eine ganz untypische Verbindung von materieller und mystischer Betrachtungsweise antreffen, lebhaftes psychologisches und wissenschaftliches Interesse ebenso wie tiefe spirituelle Durchdringung. Das ergibt zusammen eine Tiefe der Erkenntnis, von der wir alle profitieren.

Thomas hat mir unter anderem bewusst gemacht, dass unsere Reaktion auf ein Trauma eigentlich sehr sinnvoll ist. Statt uns dafür zu brandmarken, dass wir bei überwältigendem Stress erstarren, folgen wir besser Thomas in seiner verständnisvollen Auslegung dieser Reaktion als Zeugnis jener natürlichen Intelligenz, die wir benötigen, um wieder heil und ganz zu werden.

Am meisten beeindruckt mich aber, dass Thomas beim Eintauchen in die kollektive innere Finsternis nie die Hoffnung für die Menschheit verliert. Selbst auf der Suche nach klaren Begriffen und tiefem Verständnis, konzentriert er sich darauf, was angesichts der vor uns liegenden großen Aufgabe praktisch und nützlich ist.

Er zeigt uns, wie wir unseren Geist und unser Herz öffnen können – und damit auf persönlicher und kollektiver Ebene bereit für den Frieden werden. Da jeder von uns auf seine oder ihre ganz eigene Weise von kollektiver Traumatisierung betroffen ist, kann es für uns alle nur nützlich sein, den Weg der Heilung zu kennen.

Ich bin dankbar für alles, was ich von Thomas über kollektives Trauma gelernt habe. Und ich hoffe wirklich, dass auch Sie als Leser großen Nutzen aus diesem Werk ziehen, das die Welt wirklich braucht.“

William Ury, Boulder, Colorado, 4. Mai 2020

Mehr zum neuen Buch von Thomas Hübl auf Deutsch & LIVE-Buchpräsentation am 29. März 2021

IN VERBINDUNG BLEIBEN
BESUCHE UNS AUF

Stay Connected

Receive announcements about upcoming courses, events, and free recordings.

You have Successfully Subscribed!

Subscribe to Reminder

To receive an email reminder the day before each session, please enter the following:

You have Successfully Subscribed!

 Stay Connected

You have Successfully Subscribed!

IN VERBINDUNG BLEIBEN

SIE HABEN ERFOLGREICH ABONNIERT!

Conectemonos

Gracias por suscribirte!